Unsere Tracht

 

Unsere Tracht ist in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden und gibt den Hinweis auf ein Bürgertum, das selbstbewusst und durchaus bereit war, Verantwortung für das eigene Gemeinwesen zu übernehmen. So scheute man sich nicht, Goldbrokat und Moiré bei den eigenen Kleidern zu verwenden, obwohl dies bis dahin lediglich dem Adel und der hohen Geistlichkeit vorbehalten war.

Dabei entwickelten sich von Ort zu Ort typische Unterschiede, so dass man schnell erkennen kann, wo eine Trachtenträgerin oder -träger zu Hause ist.

Auffallend und typisch bei den Trachten rund um den Bodensee und zum Teil weit darüber hinaus, ist die große Radhaube. Die Hauben variieren in Form und Material, sind schwarz oder golden.

Bei den Kleidern bestehen Unterschiede zwischen Stadt und Land, zwischen Festtags- und Werktagskleidern.

Die Allensbacher Tracht war ursprünglich eine Bauerntracht und wurde bis zur Mitte des 19.Jahrhunderts getragen.

An Anlehnung an die damaligen Bräuche wurde durch Stefanie Schieß 1937 die alte Bauerntracht wieder eingeführt. Damals kam sie jedoch über kleiner Ansätze nicht hinaus.

Erst nach eingehender Beratung durch die badische Landesstelle für Volkskunde wurde im Jahr 1965 zu Belebung des Trachtengedankens in Allensbach von Katharina Brunner, der Frau des damaligen Bürgermeisters Hermann Brunner, eine Frauentracht im Stile der Bürgertracht des Bodenseegebietes entworfen. Ohne Verwendung von abgestorbenen Formelementen wurde eine farbenfrohe, stilechte und zeitlose Tracht geschaffen, die von der Badischen Landesstelle für Volkskunde sehr positiv bewertet wurde.

Diese Beurteilung findet sich auch in den Akten der Gemeinde Allensbach wieder.

Es wurde dann ebenfalls eine kindgerechte Tracht für Mädchen und Jungen entwickelt und schließlich kam auch eine Männertracht hinzu.

Die Allensbacher Frauentracht:

Sie besteht aus einem Trägerrock mit Jacke.

Besonderheit der Jacke sind die gesmokten Schultern und das Schößchen.

Dazu das Schultertuch und die Schürze, die van Hand bestickt sind.

Am Schultertuch befinden sich von Hand geknüpfte Fransen, die früher nur als Goldgarn bestanden. Mittlerweile werden die Fransen teilweise auch farblich abgestimmt zu den Stoffen der Trachten.

Zur Tracht werden weiße oder anthrazit farbene Strümpfe sowie schwarze Schuhe getragen. Falls Schmuck zur Tracht angelegt wird, darf dies nur Granatschmuck sein.

Typisch für die Trachten von Bodensee ist die Radhaube.

Unsere Radhauben sind aus Goldgarn von Hand gehäkelt oder geklöppelt und daher sehr wertvoll. Im „Bödele“ befindet sich das Allensbacher Wappen.

Häkeln: Methode der Textilverarbeitung, bei der mit Faden und Häkelnadeln, welche an Ihrer Spitze einen Haken haben, Maschen erzeugt und miteinander verknüpft werden.

Klöppeln: Handarbeitstechnik, bei der mit Klöppeln, das sind spindelförmige, meist aus Holz gefertigte Spulen, und dem darauf aufgewickelten Garn verschiedene Spitzen gefertigt werden.

Die Männertracht:

Diese besteht aus einem grünen Gehrock, darunter eine graue Weste und schwarze Kniebundhosen.

Dazu werden ein weißes Hemd mit einem schwarzen Samtbinder, weiße Strümpfe und schwarze Schuhe getragen.

Auf dem Kopf tragen die Männer einen schwarzen Dreispitz, der im Volksmund auch Nebelspalter genannt wird, da die Spitze nach vorne getragen wird.

Die Kindertracht:

Die heutige Kindertracht erinnert noch an diese alte Bauerntracht, die heute so aber nicht mehr getragen wird.

Die Tracht der Mädchen besteht aus einem Trägerkleid mit einer kurzärmeligen Bluse, besticktes Schultertuch und Schürze, weißen Kniestrümpfen, schwarzen Schuhen und ebenfalls der Radhaube.

Die Tracht der Jungen ist analog der Männertracht.